Es war nicht mein Tag, nicht mein Montag. Deutschklausur in der 1. Stunde. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, Buchbesprechung. Die waren nie mein Ding und erst recht nicht von allem was der Reclamverlag je hervorgebracht hat. Aber was sollte ich machen. Schwänzen und nachschreiben ? Schreiben und verkacken ? Für eins von beiden musste ich mich entscheiden. Die Wahl viel auf schreiben und verkacken.
Aber wie verkackt man denn so richtig eine Buchbesprechung ? Very easy.
1. Lese das Buch nur bis zum ersten Kapitel und lege es dann bei Seite
2. Ignoriere das danebenliegende Zusammenfassungsbuch komplett
3. Hör dir nicht mal das geliehene Hörbuch an
4. Mache im Unterricht niemals mit / höre erst gar nicht zu.
5. Lehne es strikt ab, jegliche Hausaufgaben zu erledigen
6. Lerne keine Aufbauschemata
Wenn man sich wie ich an diese 6 Punkte des blöde Handelns hält, verreist man bestimmt jede Klausur. Ich, als Erfinder der Ignoranz zur Schulzeit, habe mich natürlich glänzend an diese Liste gehalten. Also am Morgen mit erheblichem Magendrücken in die Schule und ab zur Klausur.
Man verliert schon ganz schön viel Zeit, wenn man die betreffenden Textstellen zum ersten mal liest und sich dann auch von rechts und links die Zusammenhänge erklären lassen muss. So war ich unerwarteter Weise sehr überrascht, dass bis pünktlich 30 Minuten vor Schluss mein Blatt noch Blüten rein war. Mein damaliger Deutschlehrer schien meine Notlage zu kennen und erlaubte mir, dass ich wie einige andere unwissende noch die große Pause zum schreiben nutzen durften. Die 3 Seiten meiner Banknachbarin retteten mir den Arsch in dieser Arbeit. Oder auch nicht.
Ich gab pünktlich nach der Pause die Seiten meiner Nachbarin ab. Ja, richtig gelesen die Seiten meiner Nachbarin. Meine fand ich Abends in mein Deutschheft geklemmt. Doh.
Jetzt war guter Rat teuer. Was macht man bei so einer Situation ? Da ich außerhalb des Unterrichts für viele Lehrer äußerst sympathisch schien, dacht ich mir, dass ich die Arbeit am nächsten Tag einfach nachreichen würde. Also stand ich am folgenden Tag um 7:30 Uhr vor dem Lehrerzimmer. Immer wieder wurde ich gefragt ob man mir helfen könnte, auf wen ich denn warte ? Ich konnte nur wiederholen ja ich warte auf den Kollegen S, ich muss da noch was abgeben. Ehrlich wärt am längsten.
Kollege S kam – untypischer Weise – sehr spät und war dementsprechend in Eile.
I: „Hallo Herr S! Haben Sie einen kurzen Moment für mich?“
S: „Ja sicher Thomas, was ist denn?“
I: „Mir ist da ein kleines Missgeschick unterlaufen“
S: „Ach wie ? Keinen Gürtel heute dabei?“ (Ich war damals Baggyträger!!!)
I: „Nicht ganz aber ähnlich.“
S: „Versteh ich nicht. Was ist denn los?“
I: „Ja Sie haben was nicht dabei. „
S: „Bitte?“
I: „Hmmm ja, also mir ist da gestern Abend aufgefallen, dass ich vergessen habe meine Arbeit abzugen.“ *bedröppelt schau*
S: „Ne, woll ? Is jetzt nicht dein ernst. Ein Scherz, oder ?“
I: „Also witzig find ich das nicht.“
S: „Ich auch nicht.“
I: „Ja was machen wir denn da jetzt?“
S: „Haste noch dran gefummelt?“
I: „Auf keinen Fall!!!“ (stimmte)
S: „Gib her. Ich schau die jetzt gleich durch und dann sag ich dir was ich damit mache. Ok?“
I: „Super Danke.“
Ich war nicht besonders geschockt, als ich später von Herrn S auf den Flur diktiert wurde. O-Ton: „Also eigentlich, dürft ich die Arbeit nicht bewerten, dass weist du ja hoffentlich. Aber ich will mal eine Ausnahme machen, weil du Punkte drin hast die ganz interessant interpretiert sind.“ Weiter morgen.
So long.









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