Es war dunkel, nass und kalt. Ich zog, wie jeden Morgen, meine Jacke samt Kappe von den Charlotte Hornets an, packe mir die beiden Stöpsel meines MD Players in die Ohren und verlasse das Haus in Richtung Schule. Ich lebe in Wuppertal und bin Regen gewöhnt, dass heißt allerdings noch lange nicht, dass ich Ihn mag.
Durchnässt und angenervt komme ich in der Schule an und lasse den Tag so über mich ergehen. Immer verbunden mit Musik in der Pause und malen im Unterricht. Malen war sowieso unsere Lieblingsbeschäftigung. Seppel, Alex und ich. Wir waren immer am zeichnen. Keiner von uns hat allerdings aus seinem „Talent” etwas gemacht. Ich schweife ab.
Schulschluss und die sonne ließ sich auch wieder blicken. Sauber, also nichts wie ab nach draußen und aus dem angebrochenen Tag das Beste machen. Auf halbem Weg nach Hause bemerke ich, dass sich zwischen hin zur Schule und zurück nach Hause etwas verändert hat. Moment mal. Jacke, da. Kappe, da. MD Play… scheiße nicht da. Also nichts wie zurück zur Schule und nach dem Ding gesucht.
Die Putzfrau war grade zugange und ich vermutete bereits schlimmes. Ich war angespannt und spätestens nach dem Griff unter die Bank war mir klar, dass ich jetzt in Schwierigkeiten stecke. Das Gerät war grade mal 3 Wochen alt gewesen und ich hatte bis jetzt jede freie Minute zusammen mit dem Teil verbracht. Es würde wohl auffallen wenn ich auf einmal vorgebe das komplette Interesse verloren zu haben.
Alles Suchen half nichts, das Ding blieb verschwunden.
Ich fand mich damit ab, den momentanen Zustand nicht ändern zu können und machte mich wieder auf den Weg nach Hause. Geknickt und unaufmerksam ging ich durch die Straßen und traute mich nicht wirklich nach Hause. Schlecht für mich. Eine unheimlich auffällige Kappe hat den Nachteil, dass man, wie man es dreht und wendet, nicht übersehen wird. Ich fiel auch den 4 Jungs mit Migrationshintergrund (damals hieß das nur noch nicht so) auf und es fing ganz harmlos an. „Ey, coole Kappe. Darf ich die mal haben?” Klar darfst du sie haben. Nimm sie dir ruhig, willst du sie geschenkt bekommen? „Nein!” Fiel meine antwort kurz, knapp und dominant aus. Nicht mehr ganz so dominant war dann mein Verhalten, als er mir die Kappe vom Kopf riss und losrannte.
Ich sprintete hinterher und obwohl ich immer recht schnell war konnte er mir den einen oder anderen Meter abnehmen. Seine Kumpel waren viel langsamer als er und ich war an Ihm dran. Zwei Straßen weiter blieb er stehen und es begann eine kleine Rauferei. Durch meine unheimlich großen Erfahrungsschatz zum Thema Rauferei, konnte ich hier keinen Blumentopf gewinnen. Er befreite sich und jetzt spielte er mit mir, meiner Kappe und seinen Jungs, Schweinchen in der Mitte. Kein besonders großartiges Gefühl an einem solchen Tag wo einem schon etwas abhanden gekommen war. Ich beschloss, dass ich mich heute nicht abziehen lasse und die Kappe zurück in meinen Besitz muss. Gesagt, getan. Einen kleinen Moment und einen höheren Sprung später konnte ich meine Kappe wieder mein Eigen nennen.
Nichts wie ab nach Hause und diesen ganzen Tag schnell vergessen. Heute mache ich vielleicht auch mal brav meine Hausaufgaben, dann wird nicht so geschimpft wenn das mit dem MD Player ans Tageslicht kommt, dachte ich mir, während ich in meinem Tornister krame. Ohh, Matheheft, Mathebuch, MD Player, Deutschheft, Deutschbuch. So ein mist, da haste dir den ganzen Stress umsonst angetan.









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